Idee und Konzept
Erstes Treffen
Zweites Treffen
Drittes Treffen
Viertes Treffen
Fünftes Treffen
Sechstes Treffen

Einfach Respekt

Im Zuge verschiedener Diskussionen wie beispielsweise Bildungszugänge, Bildungsabschlüsse, Kriminalität, Gewalt, Happy Slapping mittels Handy, Pornografie usw. werden immer wieder Fragen der Bedeutung des Jungeseins in aktuellen gesellschaftlichen Bezügen thematisiert. Solche Diskussionen sind oftmals defizitorientiert. Beispielsweise wird das an dem Aufbau des Programms zur Vermeidung bzw. Verringerung von Schulversagen deutlich. Jungs hätten schlechtere Chancen im Verlauf der Bildungsbiografien als Mädchen. Eine Konsequenz könnte sein, Jungs stärker in Schulen zu fördern, Benachteiligungen abzubauen. Diese defizitorientierten Ansätze sind aber nur eine Seite der Medaille. Der Blick für „normale“ Jungen, ihre Probleme und Lebensbewältigungsstrategien bleibt verschlossen.

Das Projekt „Einfach RESPEKT“ wird beispielhaft im Kinder- und Jugendtreff der Gemeinde Heudeber (Lankreis Harz) durchgeführt. Das findet nicht auf dem Hintergrund statt, dass in diesem Dorf überdurchschnittlich viele Problemlagen mit Jungs wären, sondern in dem Bewusstsein, frühzeitig den Jungs die Möglichkeit zu geben, selbst zu erkennen, was für sie Männlichkeit bedeutet, wo sie anders sind, als das übliche / alltagsgesellschaftliche Männlichkeitsbild es vorschreibt. Jungs brauchen auch Räume / Settings / Situationen, in denen sie als Jungs wahrgenommen und akzeptiert werden und zwar unabhängig davon, was ihre Umwelt von ihnen als Jungs erwartet.

Im sozialpädagogischen Sprachgebrauch geht es um die bewusste Entwicklung von Lifeskills und Protektoren, also die Förderung allgemeiner Lebenskompetenzen zur Stärkung von Empathie und Toleranz - auch dem gegenüber dem, was man nicht kennt. Respekt vor sich, vor anderen, Respekt gegenüber Fremdem und Unbekanntem, Respekt gegenüber seinen Freunden. Aufgeschlossenheit für Handlungsalternativen ...



Spiel als Lernfeld

Mehrere Wochen wird jeweils einen Tag mit den Jungs, die den Treff in Heudeber besuchen, ein Spielnachmittag gestaltet. Dieser Spielnachmittag wird pädagogisch aufgebaut. Die Spielangebote knüpfen aneinander an. Durch verschiedene Impulse wie Regelveränderungen, Einbindung in eine Geschichte, Vergrößerung, Kooperationseffekt, Kombinieren oder Ersetzen werden neue Situationen geschaffen, neue Spielerfahrungen durchlebt.

Schritt für Schritt wird überprüft, was sich verändert und was dazu beiträgt, dass es der Gruppe mehr Spaß oder auch mehr Gerechtigkeit bereitet. Diese Kreativität mit dem Spiel bedeutet oft einen Wandel im Kleinen mit großer Wirkung. Wenn man der Gruppe ermöglicht, diesen Prozess wahrzunehmen, enstehen Lernprozesse. Es reift die Erkenntnis, dass Regeln von Menschen gemacht werden und auch verändert werden können. Man kann in „als ob – Situationen“ sich ausprobieren, Verbündete suchen, „risikovolle“ Handlungen vornehmen. Der Spielalltag bietet Lernerfahrungen hinsichtlich Handlungsoptionern in bestimmten Situationen (sich über Regeln verständigen, etwas durchsetzen wollen) und Toleranz (auf sich zukommen lassen, gemeinsam genießen, Spiele ohne Sieger und Besiegte, die Spaß machen können).



Handy als Übungsfeld

Das Handy ist mittlerweile Alltagsgegenstand von Jungen. Neben vielen tollen Dingen, sorgt die Handynutzung aber auch für Stirnrunzeln der Erwachsenen, oftmals auch der Mädchen. So ist bekannt, dass manche Jungs Gifanimationen, Klingeltöne oder Handyvideos mit gewalthaltigen oder pornografischen Inhalten konsumieren.

In den Veranstaltungen wird einerseits über positive und negative Aspekte der Handynutzung reflektiert. Andererseits wird über dass konkrete Ausprobieren und Herstellen von Handyprodukten eine Sensibilisierung für Tabubrüche und Grenzverletzungen erzeugt, gerade weil im Alter des Herauswachsens aus dem Kindsein solche empathischen Fähigkeiten eher zurückgedrängt sind. Das natürliche Gefühl für Gerechtigkeit und für Gut und Böse gerät in der Pubertät etwas durcheinander. Hier ist es wichtig, Empathie für mögliche Opfer zu befördern und das „Sich-in-andere-hinein-versetzen“ zu üben.



Öffentlichkeit als Reflexionsfeld

Unter Mitwirkung des Betreuers des Kinder- und Jugendtreffs wird eine 3-Tage-Aktion durchgeführt. Die Jungs rufen unter dem Motto „3 Tage Gemeinheiten“ eine zentrale Telefonnummer an. Der Anruf wird gespeichert (ähnlich einem Anrufbeantworter), ist aber über eine Homepage direkt und sofort für die ganze Welt öffentlich. Die Jungs sollen an jedem der 3 Tage darüber nachdenken, wo eine Gemeinheit in ihrem Alltag, im Film, in der Welt etc. passierte und dazu Stellung beziehen. Das ganze wird eben niedrigschwellig per Anruf für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, bietet anderen die Chance, an den Gedanken der Jungs zu partizipieren („cellcast“).



Ziele und Indikatoren

Jungs lernen / üben Toleranz gegenüber Unbekanntem --> Die Jungs lassen sich auf neue Erfahrungen ein und beziehen andere Jungs in ihre Aktivitäten ein.

Jungs lernen spielerisch kleine Schritte demokratischen Handelns --> Die Jungs schlagen Regelveränderungen vor, erklären sie den anderen Jungs und versuchen, sie von ihrer Spielidee zu begeistern.

Jungs üben Elemente gewaltfreier Kommunikation --> Die Jungs führen kooperative Spiele durch. Sie erfahren Spielsituationen, in denen Wettbewerbsspiele in eine kooperative Variante umgewandelt werden.

Jungs werden für die Opferperspektive sensibilisiert --> Die Jungs diskutieren über die Fragen „Happy slapping“ (lustiges Schlagen) und Mobbing im Bereich Handyvideos

Jungs reflektieren über ihren Alltag und setzen sich kritisch auseinander --> Teilnahme am Cellcast